Poetikon

Identität und Ironie /

Vor ein paar Tagen ist Martin Walser fünfundneunzig geworden. In den Geburtstagsbeiträgen sprachen und schrieben Literaturexperten und -expertinnen viel über die Debatten und Skandale, in die er sich während der neunziger Jahre verstrickte. Vielleicht war das ein Teil seiner Selbstinszenierung, der Autor als Laokoon. Aber wer weiß das schon? Auf jeden Fall ist es Martin Walser gelungen, eine große poetische Person zu werden. Doch was passiert, wenn diese Person nicht mehr existiert und sein Werk für sich steht? Wenn alle, die von ihm persönlich beeindruckt waren, weg sind und die Fragen seiner Zeit nicht mehr nachhallen? Es könnte sein, dass ausgerechnet seine Überlegungen aus den siebziger und achtziger Jahren, wie man Identitätsfragen so darstellt, dass Literatur zu einem wirksamen Emanzipations- und Erkenntnismittel wird, in Vergessenheit geraten.

Ein Kommentar

  1. Blick aus dem Fenster: Wer den Baum auf der Wiese gepflanzt hat, weiß ich nicht. Der steht trotzdem da und bringt seine Früchte. 🙂

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