Alltage

„Wir“ und wir /

Immer öfter höre ich, ich müsse jetzt kriegsbereit sein. Und wir müssten zusammen Stärke zeigen, verzichten, den Gürtel enger schnallen und bereit sein, denn wir würden angegriffen. Doch wer sagt da eigentlich „wir“? Politiker:innen in Parlamenten und Talk-Shows. Politiker:innen, deren Partei in den letzten vier Jahrzehnten fast durchgehend regiert hat. Was wäre, wenn „wir“ uns schon in den achtziger Jahren dem Klimawandel gestellt hätten? Wenn „wir“ die Deutsche Einheit anders gestaltet hätten. Wenn „wir“ den Neoliberalismus etwas kleiner gehalten hätten. Wenn „wir“ die Steuern für Milliardäre und Millionäre erhöht hätten. Wenn „wir“ den öffentlichen Verkehr gefördert hätten und nicht das Auto mit Abwrackprämien. Wenn „wir“ die Digitalisierung nicht als Erlösung angepriesen hätten, sondern als das, was sie ist. Wenn „wir“ die Solarenergie, die wir erfunden haben, nicht in die Pleite getrieben hätten … Ja, ich finde auch, wir sollten jetzt zusammen Stärke zeigen. Und ein Tempolimit beschließen. Und einen autofreien Tag pro Monat. Und Steuern auf Flugbenzin. Und eine Abgabe auf Swimmingpools und Zweitwagen. Und das ist nur der Anfang. Ich glaube, da ist noch Luft nach oben beim Zusammenhalten.

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