Löwen auf dem Weg zur Arbeit /
Es gibt auch gute Nachrichten von der Bahn: Hier am westlichen Rand von Baden-Württemberg werden die alten, unbequemen, oft auch stinkigen S-Bahnen durch helle, bequeme Züge ersetzt. Allerdings sind die etwas steril geraten. Vielleicht haben sich die Auftraggeber deshalb gedacht, dass dem ein paar Verzierungen abhelfen könnten. In „The Länd“ ist die Wahl auf Löwen gefallen. Nicht auf niedliche Katzenkinder oder Trickfilmfiguren, sondern auf die original hoheitlichen Löwen aus dem großen Landeswappen. Die züngeln bekanntlich böse vor sich hin und drohen mit den Pranken, als stünden sie kurz davor, an den Hals ihres Opfers zu springen. So sind sie auf den Zügen und als buntes Muster auf den Sitzen zu finden. Das wirft Fragen auf: Ist das wirklich nötig gewesen? Hat da jemand nicht richtig nachgedacht? Oder steckt eine Absicht dahinter? Wenn ja, was soll diese Drohgebärde der Landesregierung den Fahrgästen auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit sagen?
Ganz nebenbei: Es gibt auch andere Symbole auf Wappen, zum Beispiel Lilien und Rosen oder ein sympathisches springendes weißes Pferd. Das würde auf jeden Fall besser zur Bahn passen. So eine Überlegung über hoheitliche Symbole führt automatisch zu der Frage, ob unser Staatswappen noch zeitgemäß ist. Unser Adler, der hier ja imaginär auf allem drauf ist, knüpft an kaiserliche Zeiten, also das Reich, an. Zudem ist er hässlich. Vielleicht würde sich unsere Politik ändern, fände sie nicht unter diesem monströsen Vogel statt, auf dessen imperialen Machtanspruch der gesamte Bundestag ausgerichtet ist. In einer Demokratie sollte man das Wappen wählen und ab und zu mal ändern können. Wie wäre es mit einer Sonnenblume? Und einer Windmühle. Licht und Luft: Statt Drohgebärden in den Köpfen einfach mal mehr Frische wagen. Klar, so weit wird es wahrscheinlich nicht kommen. Aber schon eine Eule wäre ein Fortschritt.

