Vielleicht ist alles ganz anders oder: Follow the Money /
Glaubt man den Leuten, die behaupten, sie wüssten, wo es langgeht, dann liegt die Rettung von Wirtschaft und Gesellschaft in der Digitalisierung. Sie kommt nur nicht schnell genug voran. Wir müssen uns da wirklich etwas mehr anstrengen. Das wird uns glücklich und wohlhabend machen. Gleichzeitig wird uns die Arbeit immer leichter von der Hand gehen.
Bevor das so ist, stehen allerdings erst mal ein paar Investitionen an in Hardware, Software und Know-how. Das ist unvermeidbar und kostet Zeit und Geld. Obwohl ein großer Teil der Arbeit längst digitalisiert ist, hat niemand, den ich kenne, weniger zu tun. Auch dafür gibt es eine Lösung: mehr Digitalisierung. Klar, die Organisation des Alltags ist noch in einer Übergangsphase: Stromversorger, Gasversorger, Netzbetreiber, Krankenkasse, Bahnticket, Sportverein, Deutschlandticket, Bank, Chor, Stammtisch, Termin auf dem Rathaus, Anfrage bei der Werkstatt – alles online, mit dem entsprechenden Konto. Die Bürokratie wird vorübergehend auf die Nutzer und Verbraucher verschoben. Im Baumarkt und Discounter darf man die Waren jetzt selbst scannen. Das ist der Fortschritt. Und das, heißt es, wird alles noch besser. Dann ist plötzlich der Computer für die notwendigen Updates zu alt: Kauf einen neuen! Virenprogramm nicht vergessen. Update und Upgrade. Alle Verwaltungen, Betriebe und Haushalte, Schulen und Krankenhäuser werfen die alten Computer weg und kaufen neue. Aber die Schülerinnen und Schüler werden nicht besser. Die Krankenhäuser sind pleite. Der Ausweg: Digitalisierung.
Wie konnte es dazu kommen, dass alle Menschen von Grönland bis Australien seit zwanzig Jahren mit einem an der Hand festgewachsenen Smartphone herumlaufen? Wer hat die Menschen dazu gebracht, ihre Einkäufe online zu erledigen und die Innenstädte zu verwüsten? Warum sind aus den Autos rollende Computer geworden? Warum wird alles immer teurer? Und komplizierter? Dringt die Digitalisierung in ganz neue Dimensionen der Bürokratie vor? Warum werden die meisten Menschen immer ärmer? Warum haben viele das Gefühl, dass nach vierzig Jahren mit Computern alles trauriger wird? Eigentlich sollte doch alles lustiger, freier und billiger werden. Die Lebensfreude müsste durch die Decke gehen. Warum sollen wir jetzt alle mehr arbeiten? Wo ist eigentlich das ganze Geld geblieben, dass in den letzten Jahrzehnten in die Digitalisierung geflossen ist? Wer sind die reichsten Männer der Welt? Und was planen diese Superlative? Wollen sie Megative werden?

