Alltage

Was jenseits der Dummheit passiert/

Warum lehnen viele Menschen die Grünen so aggressiv ab? Zum Beispiel konservative Politiker. Sie schüren Ängste vor einem Schweinshaxen-Verbot oder vor Windrädern. Dabei jonglieren sie mit Unterstellungen und Ressentiments. Dieser Populismus der Mitte, der an Hass schon sehr nahe heranreicht, zieht immer größere Kreise. Mal abgesehen von der normativen Einordnung, dass seriöse Politiker für ein paar Wählerstimmen keinen Hass schüren sollten, bleibt die Frage, was noch dahinterstecken könnte.

Die Grünen gelten also vielen als der Feind und damit als hassenswert. Dabei sind ihre Grundideen doch gar nicht so unvernünftig: ökologische Energie und Landwirtschaft. Das ist gesünder und verringert die Abhängigkeit von Gas- und Öllieferanten. Außerdem brauchen Windräder kein Endlager.

Vielleicht greift hier das uralte Phänomen, dass man kurzerhand die Überbringer von schlechten Nachrichten für das, was passiert ist, verantwortlich macht. Oder metaphorisch, man gibt dem Thermometer die Schuld für das Fieber. Klar, das ist dumm, aber menschlich und damit verständlich. Doch was passiert jenseits der Dummheit? Dort, wo jemand wider besseres Wissen irgend einen Unsinn behauptet oder glaubt? Atomkraft sei billig und sicher, ein Tempolimit führe zu mehr Unfällen, weibliche Endungen oder der Verzicht auf eine Currywurst seien der erste Schritt in die Diktatur.

Wer von denen, die nicht dumm sind, glaubt das? Und wie lässt sich erklären, dass die bewusste Propagierung von etwas Falschem derartig viel Hass erzeugt? Ist das vielleicht der Selbsthass, der entsteht, wenn man sich selbst verraten hat?

Zu diesem Phänomen schreib Günther Anders 1978 in „Die Antiquiertheit des Menschen“: „Ideologie ist … ein moralisches Problem … Das Endziel besteht darin, die Untertanen so zurecht und „fertig“ zu machen, dass sie anders als falsch gar nicht mehr handeln können und auf Grund ihres So-gehandelt-habens davon überzeugt sind, ihre Handlungen auch gewollt zu haben. So dass sie, wenn sie … auf ihre wahren Interessen … aufmerksam gemacht werden, indigniert protestieren oder auf uns einschlagen.“

Günther Anders (1980): Die Antiquiertheit des Menschen. München. Band 2, S. 191.

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