Über den Tag

Sanft über die Tage /

Als ich vor mir das Gebäude sehe, in dem ich arbeite, denke ich, dass es ganz einfach wäre, daran vorbeizugehen, weiterzugehen. Was für ein Gehen wäre das? Ein Weggehen oder ein Hingehen? Ein Nein oder ein Ja? Gibt es das: einfach losgehen? Ich glaube, es geht darum, Himmel über dem Kopf zu haben. Egal, ob es regnet oder schneit. Einfach gehen, immer weiter. Als mein Vater starb, war ich auf dem Weg zur Arbeit.

Ich sitze im Arbeitszimmer. Asbeststaub rieselt durch die Ritzen zwischen den Deckenplatten auf mich herunter. Eine Studentin erklärt mir, dass sie auf ihre Fiktionsbescheinigung wartet und abgeschoben wird, wenn sie die nächste Klausur nicht besteht.

Wenn wir miteinander reden, reden Geschichten miteinander. Ein Kollege empfiehlt mir, mich besser zu vernetzen. Doch meine Helden heißen Hans im Glück und Till Eulenspiegel. Ich mag Leute, die nach sich selbst riechen. Ganz nebenbei: Die Angst ist eine streunende Katze. Du hast ihr Futter hingestellt. Armut ist eine Form des Schweigens. Alles andere rauscht, plappert und verheddert sich in Grammatik.

Ein Morgen im Januar, der Tag noch ganz steif. Ich stehe und schaue. Alle streben irgendwo hin. Selbst die Kinder. Graues Licht, Kälte. Ich gehe durch die Straße, verlasse die Stadt. Auf dem Feld ein eisiger Himmel. Nichts bewegt sich. Alles braun und hart und still. Und die Stille, das höre ich, kommt aus dem Boden.

Ich sehne mich nach einem Ort, wo alles ein wenig zerfällt. Keine Investoren, keine Ertüchtigung der Infrastruktur, keine Handwerker, die mit Lasergeräten die Tage vermessen. Ein Ort, wo Langeweile sich sanft über die Tage legt. Ich könnte auch mit der Bahn fahren und einfach irgendwo aussteigen und vielleicht bleiben. Ich wäre gern ein anderer, ich wäre gerne ich.

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