Poetikon

Totale Sonnenfinsternis oder: ein Rest von Trost /

Der Plot ist bekannt: Eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler sieht eine Katastrophe kommen, die man gerade noch abwenden könnte. Aber keiner glaubt ihnen. So eine Geschichte könnte man als einen „Ich-habe-es-doch-gleich-gesagt-Film“ bezeichnen. Die Zuschauer sollen sich mit der Hauptfigur identifizieren, das ist klar. Bei solchen Filmen geht es meist darum, dass die Welt untergeht, zumindest teilweise. Die Erde friert ein, Tsunamis rollen heran, Vulkane brechen aus und Wälder fangen Feuer. Das erste Opfer der Katastrophe ist der Antagonist, der aus Opportunismus oder aus Gründen des Profits am stärksten gegen die vielen Warnungen agitiert hat. Er stirbt – was natürlich total unrealistisch ist, weil er längst auf seine weltuntergangssichere Privatinsel geflogen ist – einen erbärmlichen Tod. Die Held:innen hingegen kämpfen sich zu Fuß und dem Auto durch den Weltuntergang irgendwo hin, wo ein Überleben möglich ist. Sie retten ihre Familie. Die Familie ist das wichtigste, vor allem, wenn die Welt untergeht. Natürlich gibt es massenweise unschuldige Opfer, die von Klippen fallen oder vom Sturm hinweggefegt werden. Am Ende stehen die Ich-habe-es-doch-gleich-gesagt-Familienoberhäupter vor den Trümmern der Stadt, des Schiffes oder des Planeten und schauen in einen zweifelhaften Sonnenaufgang.

Aber es gibt auch Filme dieser Art mit einem anderen Ende, wie zum Beispiel „Melancholia“ oder „Don’t look up“. Totale Sonnenfinsternis sozusagen. Hier kommen Familien oder Freunde ein letztes Mal zusammen und gehen gemeinsam unter. Alle anderen hingegen sterben einsam, würdelos und etwas unglücklicher. Also, auch nicht so ganz realistisch. Vielleicht, weil ein Weltuntergangsfilm ohne ein bisschen Trost kein Geld einspielen würde.

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